Vergessens-Komplex

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Asche.
Totschweigen, bis wir dreifach gemordet haben. Gesprächsthemen bis zum geht nicht mehr.
Gib mir dein Messer, gib mir all deine Messer. Meistens ignorier ich meinen Vater-Komplex. Ist Vergessen und Verschweigen nicht dasselbe nach gewisser Zeit? Nicht gefährlich, eigentlich alles okay.
Habe in Asche gelebt, auf Überreste der dreckigen Vergangenheit getreten, versucht sie wegzukehren, aber gemerkt, dass sie an den Fingern klebt.

Dann kam der Mond immer näher und die Kollision begann, habe das Lachen erlernt und was Lautstärke eigentlich wirklich bedeutet. Stille ist nicht immer Ruhe, genauso wie Einsamkeit eigentlich gar nicht Alleine-sein heißt. Immer wieder versuche ich, das Bunte zu sehen und das schwarz-weiß meiner Blindheit zu vergessen. Aber manchmal kommt sie zurück und schiebt sich vor meine Pupille, dann Schreien nach Hilfe, auf dem Boden Kriechen und irgendwann Aufgeben, wenn keiner kommt und Krücken mitbringt. Im Kampf gegen Deborah und das scheiß Selbstmitleid brech’ ich mir meist erneut die Arme und meine Stimme, aber meine Teile wachsen immer stärker zusammen – hinterlassen nur diese hässlichen Narben. Muss noch dran arbeiten. Nicht gefährlich, alles okay.
Ich lebe, warum vergess ich immer, dass ich lebe? M., ich will das Schweigen verlernen, will mich im Lächeln verlieren und das Schöne nicht nur sehen – auch spüren. Weil wir im selben Universum existieren.

Rennen und der Regen danach.
Transzendenz beim Sex. Jung, schön und befleckt. Einmal wieder Atmen, mich kurz an dir festhalten, abschalten, wie sie meist dazu sagen. Aber bin noch nicht bereit, mich hier zu setzen, hier zu bleiben, bin nicht bereit zu verweilen. Haltlos und anstandslos verlass ich dich manchmal, nur um zurückkommen zu können. Lieb diese großen Abschieds- und dann Ankunftsmomente. Rituale davor und danach. Leere gibt es gar nicht. Darf nicht vergessen, dass du da bist, auch wenn ich dich nicht sehen kann.

Dann Schnitt: Sonntagnacht im Bett wälzen und warten, aber als du dich dann endlich dazu gelegt hast, konnte ich nur rennen. Das ist nicht poetisch. Meine Traurigkeit schmeckt nach Nichts und hört Drakes Emotionless. Du fragst dich, was das in meinen Augen ist?
Kälte sehnte sich nach Annäherung, hat länger gedauert, ich weiß, mein Liebling, aber jetzt ist’s so viel wärmer hier zwischen uns. Ich kann sie dir ganz gut verzeihen. Erst kommt Wärme und anschließend Liebe. Bin mit dir durch Galaxien gereist, hast mich einfach an der Hand genommen – in welcher sind wir mittlerweile angekommen? Leichtigkeit. Hast du gesagt. Und dass wir eigentlich schweben, wenn wir denken, dass wir fallen. Wenn wir uns nur einmal dazu bringen loszulassen.


Maxi

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Festhalten an gestern

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Es war als würden wir uns an den Händen halten. Er, ich und du.
Er, den ich jetzt schon auswendig kenne, von innen und außen, von oben und unten.
Und du, die mich plötzlich neu entdeckt hat, in der Banalität meines normalen, durchschnittlichen Ichs. Die mich aufgefangen hat, zwischen Anonymität und Universität. Die mich immer wieder fasziniert, mit Rammstein-Shirts und Lächeln im Gesicht. Bist anders als die, die mir nicht zuhören können. Kannst mich sehen. Kannst mich sehen. Auch wenn alles schimmert, singt sie dann ganz vorn. Dank dir, hab ich mich ins Tanzen verliebt, wenn du darüber schwebst, keinen fick auf andere gibst, wollte dich fragen, ob du mich jetzt küsst.

Und als Jennifer irgendwo anders sang, fühlte sich das zum ersten Mal wahrhaftig an. Hast mich von hinten umarmt, als ich nicht mehr zum Atmen kam; an die Brust gedrückt, als wär es das tausendste Mal. Auch wenn alles schimmert, kannst du mich sehen. Er dich berühren, würde dich so gern verstehen, alle Klamotten aus den Müllsäcken nehmen, wegrennen. Bewundere dich für deinen Mut und dein Gesicht, glänzt ganz wundervoll im Bühnenlicht.
Ich glaub, ich kann dich nicht mehr loslassen. Schau mir die ganze Zeit die Bilder an, und rede mir ein, du wärst noch da. Habe Angst, vor dem Moment, wenn das Gefühl verblasst. Haben wir uns diese Nacht verpasst?

Im Bett liegen zu dritt, das ist doch unwirklich, ganz unkonventionell, unverständlich, für dieses Denken liebe ich dich. Würde gern alle deine Gedanken spüren, du würdest den Wecker noch etliche Male überhören, ich dir die Haare aus dem Gesicht streichen und fühlen und Guten Morgen scheiß-Gefühle.

Ich halte seine Hand, und wir trocknen uns die Tränen zusammen. Hab es noch nicht über mich gebracht, die Bettlaken abzuziehen, aus drei mach zwei, hast dein schlechtes Gewissen dabei; lass es bei mir, kenne das nur zu viel, es ist okay, wenn du dich verschließt, hoffe nur, dass es dir bald gut geht. Kann ich dich besuchen, dort wo du auf zwei starken Beinen stehst? Natürlich will ich, dass du dich umdrehst, aber bitte geh weiter, du siehst so gut dabei aus, wie du alles zusammenraufst, nach Luft schnappst, nachdem du wieder auftauchst.

Habe eine Schwäche für starke Frauen, in lila, rosa und pink wehe ich im Wind. Fühl mich jetzt da zuhause, ist plötzlich so viel einfacher anzunehmen, anzukommen, nicht mehr vor mir selbst weglaufen, stehen bleiben, Haare raufen, durchschnaufen. Sorry, hab mich im Regenbogen in Regensburg verlaufen.

In der einen Berührung hab ich mich mal wieder selbst gespürt und lebendig gefühlt; Deborah der letzten Tage klein gekriegt, im Keim erstickt, eingewickelt in Bandagen über den alten Narben, will das nur noch nicht wahr haben. Wenn ich deine Stimme höre, mein ich noch, du wärst nebenan, kann ich zu dir rüber fahren, bin ich zehn Minuten da. Ist bestimmt Gewöhnungs-Sache, frag mich trotzdem, was du mit ihm machst, wenn du so liebenswürdig darüber lachst, hab das noch nie verstanden, aber hab dich auch nicht danach gefragt. Es ist jetzt wahrscheinlich zu spät, für dieses Gespräch, aber kann das nicht so gut verdrängen, weil die Stimme in mir quängelt und drückt und kneift, wenn ich ihm in den Nacken beiß, mach mich momentan bereit für die Wahrheit, vielleicht wusstest du ja schon vorher Bescheid.

Ich vermisse dich und verkneif mir den zweiten Satz, halte mich im Schach, M. hat für mich Essen gemacht, bin wie vor lauter Liebe umnachtet, übernächtigt, ohnmächtig.
Genau darauf kommt es an: dieses Vermissen ist jetzt zwar schmerzhaft, aber macht mich so dankbar, für jede Erinnerung, die ich gemeinsam mit euch erschaffen hab, die mir keiner mehr wegnehmen kann, weil ich endlich weiß, die guten Gefühle fühlen sich genau so an.


Maxi

über früher

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Wollt schon immer was Melancholisches schreiben über meine Heimatstadt, aber das geht jetzt nicht, weil ich keine Heimat hab. Frag mich, was alle anderen machen, Samstag Nacht.
Das ist über früher, denn das passt heute nicht mehr zu mir.

Zwanzig. Und zitternder Atem. Neunzehn, lass alles kaputt gehn. Achtzehn, mich selbst sehen. Siebzehn, nichts verstehen. Sechzehn, weggehen und nie wieder kommen wollen. Fünfzehn, Augen geschwollen. Mit vierzehn, ihn absichtlich verloren.
Alles davor sind nur Wolken aus Worten und Bilder auf Festplatten-Ordnern.

Will mich nicht mehr erinnern und feststellen, dass sich trotz neuer Haare, neuer Klamotten nichts verändert hat. Neue Stadt, neue Wohnung, trotzdem keine neue Ansicht auf mich selbst, nur auf diese scheiß-Welt. Neue Menschen, neue Augen, will nur denen vertrauen, die T. nicht kennen, denen ich das nicht alles erzähle. Ich will nicht, dass sie diese Bilder sehen, auf denen … Ich will mich nicht mehr zu weit aus dem Fenster lehnen, versuch ihr zu verstehen zu geben, dass ich so nicht mehr leben will, aber sie versteht nur das „nicht“ im Satz und schneidet mir das Wort ab.

Babe, der Mond brennt; er flackert im Bild und alles flimmert am Himmel. Kannst du es auch spüren? Ich weiß, dass ich den Schatten fühle, aber warum kannst du die Sonne hören?

Im Heute klaffen jetzt Lücken voller tretenden Beinen und Lügen, blauer Fleck und macht alle Schuldgefühle weg.

Love, die Erde dreht sich so schnell. Du hattest Recht. Ich will, dass sie anhält, dass sie an etwas festhält, nicht loslässt. Vergeben ist nur bei sich selbst am allerschwersten. Hab ich jetzt wieder festgestellt.

Die Bilder an der Wand fühlen sich falsch an. Was ist denn bitte Heimat? Ich würde gerne spüren, was Er da hat. Diese immense Kraft und was er damit alles schafft, 200 km an einem Tag.

Gebt mir von eurem Zuhause was ab.

Lass uns Planeten sein, unabhängig von Raum und Zeit. Ich hab nichts gegen das Einsam-sein, sei es nur zu zweit. Könnt ich nur endlich einen guten Text über ihn schreiben.

Zwanzig Jahre und keine Ahnung. Schuldgefühle nur zum Lügen genügend.
Zwanzig. Ich dachte es fühlt sich anders an.


Maxi

Vielleicht hab ich meine gut gemeinten Sätze unterschätzt. Vielleicht hab ich dich gestern zu sehr geschubst. Ich wollt nur sagen, es tut mir leid, dass es grad nichts nutzt.

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Kannst du sie sehen, die Verliebten?
Hast du gemerkt, wie sie kamen, sahen und siegten?
Sich gegenseitig die Welt anbieten.
Manchmal frag ich mich wirklich, ob wir das sind.

Was ist das hier? Wird mir alles viel zu viel. Spiel nur weiter dieses Spiel.
Hab da noch nie so drüber nachgedacht, wie man das dann wieder entfacht,
ich dachte es wäre Achtsamkeit, aber hab mich da verrannt,
mich nur verloren im Vorbeirauschen der Zeit, wärst du jetzt endlich bereit?
Es bleibt doch nur die Frage, welcher dieser Tage, der ist,
wo du die Tür vor mir schließt, wieder auf der Couch schläfst,
weil das alles wieder ins Wanken gerät, wo es keine Gute Nacht gibt,
oder etwa nicht? Ist dann wieder übertrieben.
Das ist nur das elende Verschieben von Liebe,
oder, Nein, vergib mir, bitte schon wieder,
ich mach’s auch nie wieder, war nur viel zu müde.
Am Tag reden wir gar nicht mehr so viel. Ist vielleicht jetzt schon zu spät.
Hast du noch ein bisschen Zeit?
Wenn er mich nicht mit nach oben begleitet, stand der Kaffee umsonst bereit.
Ich dachte echt, dass er bleibt.
Bitte klammert das ab jetzt ein. Denn ich sehe immer nur den Anschein.

Kannst du mich bitte das nächste Mal zurück halten,
mich im Schach halten, mich im Zaum halten?
Kannst du meine bösen Gedanken vertreiben?
Kannst du mich dann festhalten, Nägel in die Haut krallen,
kratzen, beißen, erst versteifen, dann entladen?
Wir müssen uns abhalten vom Klagen,
können wir nicht einfach miteinander schlafen, uns einfach wieder vertragen.
Kannst du mir helfen, mich fallen zu lassen,
dich zuzulassen, nicht mehr wutentfacht zuzutreten,
nicht mehr auf der selben Stelle zu leben, weitergehen,
kannst du mich so noch sehen?

Hast du die Verliebten gesehen? Kannst du erkennen, wie sie sich geben?
Sich nicht auseinandernehmen, sondern zusammenkleben,
sich einreden, dass sie sich nichts ausreden,
aber eigentlich nur auf der Stelle gehen, nur nebeneinander stehen.
Weil sie gemeinsam so gut aussehen.
M., lass uns da bitte drüberstehen.

Drück mich jetzt runter, vielleicht gehen wir zusammen unter,
wenn sie sich neben dich, dann auf dich setzt,
vielleicht hab ich mich da verschätzt, vielleicht hab ich uns unterschätzt.


Maxi

Eigentlich doch nur Atmen, Verlangen, alles ganz langsam.

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Langsam Einschlafen.
Es scheint so, wir schlittern auf ein unvermeidliches Ende zu. Er versucht sich gerade aufzubauen, dabei brech’ ich wieder zusammen. Die Wörter fliegen hin und her, schlingern herum, wir haben die Kontrolle nicht mehr, sie steigen uns zu Kopf! Bei solchen Streits werde ich immer high, danach der tiefe Fall.
In meinem Herzen nur noch Verwirrung – ich will nur dich sehen oder erblinden. Ich kann mich selbst nicht mehr finden, wollte doch nur, dass es so bleibt, für immer. Wie sie so schön sagen.
Zwischen den Wänden bricht es hier aus, siehst du das auch? Die Schreie und das Weinen halten uns nicht auf, wir machen das langsam kaputt, ich will hier raus. Ich schaff es doch noch immer nicht diesen Song zu Ende zu hören. Schatz. Schaff es noch immer nicht, ganz damit aufzuhören. Ich bin zu schwach. Nimm mich bitte jetzt mit oder hinterlass mich endlich. Ich hasse dich. Du weißt das stimmt nicht.
Meine Lügen werden immer größer, sie schnüren mir die Kehle zu, macht mich so müde. Siehst du, meine Wortwahl bist nur du. Ich nehm’ mich jetzt zusammen, aber finde meine Teile nicht mehr, weiß nicht welche mir gehören und welche bei dir verborgen liegen. Was muss ich tun, um mich wieder zurück zu kriegen? Sag mir, wie geht das mit dem Leben und Lieben. Nein, wie geht das mit dem Lassen. Kann es immer noch nicht fassen. Höre dabei immer die Dezemberluft, du weißt, eigentlich liebe ich diesen Duft, aber der Beigeschmack ist jetzt Verzweiflung. Hallo, wo warst du? Wie kam ich nur aus, ohne dich, wer lässt hier wen im Stich? Du bist das Licht für mich, ohne dich verengt sich meine Sicht. Versuch mal in’s Schwarz Ordnung zu bringen, du siehst, das geht nämlich nicht. Das verschlingt mich plötzlich.
Legst du dich neben mich?

Und jetzt – weck mich bitte wieder genauso auf.
Heute sind wir schön. Lass uns heute weich sein, endlich leicht sein, beweglich bleiben. Morgen könnten wir uns schon festfahren, zu Tode plagen, dieses Scheiß-Leben beklagen. Aber wenn ich jetzt vor meinem Fenster den Regen sehe, merke ich doch noch, eigentlich ist alles ok. Vielleicht reden wir uns den Tod auch nur ein, wenn du weißt, was ich mein. Du hast mich schon mehrmals vor Weltschmerz innerlich sterben sehen und dann hast du gesagt, dass das menschlich ist, und ich dachte mir, dass das Sinn ergibt; dass die Träne uns schön macht, weil wir merken, dass wir am Leben sind, und dann habe ich gelacht. Ich habe immer gehofft, dass es mich nicht verlässt und wenn es das doch täte, ich deine Hand nehme und wir wegrennen. Wir wären dann zwar zwei Verlierer, aber mit viel mehr Liebe, wir wären gemeinsam verloren und dann neu geboren.
Ja, wir rennen nur noch, lass uns doch einmal stehen bleiben, die Aussicht genießen, warum kannst du nicht das Gleiche sehen, wie ich? Geh einen Schritt, bleib dann stehen. Du musst Atmen. Wir müssen eigentlich nur noch Atmen, gerade, weißt du das?
Ich glaube daran, dass du es irgendwann schaffst. Hoffe, dass ich deine Hand dann auch noch halten darf. Ich will dich hören, wenn du wieder einatmest. Ich will dich küssen, danach.


Maxi

Wenn Auf und Davon Freiheit und Deborah ein Käfig bedeuten, ist der Raum dazwischen genauso verlassen wie die Pause zwischen den Wörtern Gehen und Lassen.

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Er wird gehen, das ist für mich nur zu schwer zu verstehen; und ich bleib hier, ich versuch es mit mir.
Ich muss weich bleiben, leicht bleiben, leise sein, mich aufschreiben. Sonst kann ich denen immer alles erklären, aber dieser Satz fällt viel zu schwer, er klingt ohne das „Du“ so leer. Wir sollten nicht leer sein. Ich will mit dir voll sein, ganz sein, Mathias hat das auch schon mal gesagt, ich schätze ohne dich ist’s nur mit Zigaretten zu ertragen. Wenn diese Gitarre nichts als die Wahrheit spielt, muss ich ihn fragen, wie lang er sich hier noch sieht. Ich bin von den Tränen geblendet, ich weiß nicht, wann sich das Blatt wendet, weiß nicht, wann er seinen Kopf dreht, ich weiß nicht, wie es weitergeht, ich weiß ohne dich einfach nichts. Du sagst, ich sei stark, ich sage, ich weiß nicht, was das ist, weil es in meinem Kopf eine Spirale gibt. Das hört sich eigentlich an wie Auf und Davon, dabei fühl ich hier nur Deborah. Ich frage mich ob’s sowas wie ne gemeinsame Depression gibt, oder wie sich das nennt, wenn man sich ansieht und nur noch schweigt, weil ich außer ihr keine andere Depression kenn. Ich schreibe solange weiter, bis ich müde bin, weil es zu dieser Geschichte noch kein Ende gibt. Das finale Wort des Kapitels lautet Identität.

Das Licht ist schon aus, als ich mich zu ihm lege, seinen Text darüber gelesen, dieses Scheiß-Identitäts-Problem, vielleicht können wir zusammen Kunst ergeben. Künstler sind doch immer so verzweifelt und verwegen. Erst im Kontext ergibt ihr Schaffen Sinn, erst mit einem Vergleichswerk wissen sie, wer sie sind. Oder zumindest, wie man sie sieht. Ich frage mich immer, ob er mich überhaupt liest, weil ich ihn jeden Tag studiere, damit ich ihn irgendwann richtig interpretiere.
Ich will mich zusammenfalten und einpacken und mich um dich wickeln, das ist alles irgendwie so flexibel und biegsam, wir sind grad Wasser gemeinsam; ertrinken fast an unseren Tränen, er muss sich auseinandernehmen, während ich mich zusammenhalte, ich biete ihm meine Schulter an, weil ich mich ihm nicht mehr ergeben kann.
Am Ende kann ich ihn nur noch zeichnen, ihn schreiben, (mich im Kreis drehen, entkleiden, verzweifeln), festhalten an der schwarz-weißen Gemeinsamkeit, ja nicht versinken in der Einsamkeit, mich endlich ertränken im Schreiben, der graue Rest bleibt dann Freiheit.


Maxi

kein Fels in der

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Wir sitzen jetzt hier; er am Schreibtisch, ich am Schreiben, wieso kann es nicht nur kurz wieder so wie früher sein? Er sitzt da viel zu oft weinend, und ich schreibe nur noch im Zweifel, bin ständig am Verzweifeln. Haben schon Seife, freu mich auf die nächste Flasche Wein, es scheint doch alles okay zu sein. Aber glaub mir, das sieht nur noch von außen so aus, hier ist doch alles aufgeräumt, alle hunderttausend Sachen verstaut, hier ist’s auch nicht mehr so laut, wenn ich Ruhe brauch, starre ich aus dem Fenster raus, da steht dieser alte gelb-grüne Baum. Trotzdem sehnt sich jemand in mir nach Zigarettenrauch, aber auch das Fensterbrett unter meinem Hintern trägt mich hier nicht raus. Meine Gedanken sind doch so schwer zu kontrollieren, ihre scheiß kaputte Niere; die sind doch schon leise am Verschwinden, wieso muss das jetzt passieren; früher sagten sie mir, dass seien nur Wolken, ich muss nur warten, bis sie weiterziehen. Aber hier geht’s doch nur noch um das Wann und um’s Verlieren. Ich bin mit diesem Trip viel zu hoch gekommen, wann kommt die schmerzhafte Landung? Wenn ich für ihn da sein will, er in meinen Armen, krieg ich das hin, doch irgendwie bin ich für ihn kein Fels in der; das war er selbst für mich schon viel zu lang, was bin ich denn dann … und verdammt, wo ist unsere Brandung verloren gegangen?


Maxi

Wer ich bin

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Verloren gegangen bin ich schon; auf dem Weg da raus, hab ich wen gefunden, aber irgendwie sind da noch alte Wunden. Ich hab das noch nicht ganz verstanden, mit dem alleine schlafen und alleine etwas schaffen, ohne Narben, ohne Panik zu haben, ohne innerlich zu versagen. Jedes Mal wenn ich den Stift zum Text ansetze fühl ich mich gehetzt und in meinem Kopf: „Das wird wieder nicht perfekt. Du wirst niemals perfekt.“ Das glaub ich dann auch, außer er hebt mich wieder vom Boden auf, wischt und küsst meine Tränen weg, da hab ich wieder aufgegeben und mich in seinem Nacken versteckt. Aber das ist dann nicht alles: (Kann das so meinen Kopf verlassen?) … denn ich kann mich nur lieben lassen um mich nicht selbst wieder zu hassen. Da hast du’s.
M., es tut mir leid, aber dieser Text ist nicht für dich, fühl dich hier nicht erwähnt, er ist zu unperfekt.
Verdammt, ich verkrieche mich in ihm, hab mich verliebt und schon war ich dahin. Ich geb mir nen Namen, ne Studierenden-card, fucking instagram, dabei weiß ich selber nicht mal, wer ich bin. Wie kann man etwas verkaufen, das man nicht kennt?

Heute hab ich jemanden kennengelernt, der schreit und verzieht sein Gesicht, wenn man ihn was Persönliches fragt, der hat auch Narben auf seinem Arm. Manchmal hat er die Menschen satt, dann redet er mit keinem, Tage lang, wie macht der das? So jemanden hab ich schon mal gekannt.
Schatz, das macht mich nicht satt, ich mach mir so Angst, ich brauch alles oder nichts, niemanden oder dich, aber nicht mich. Das hier läuft schief, Schritt für Schritt. Am besten ich mach hier nen Schnitt? Fragezeichen dahinter, für die kleine Unterscheidung zwischen entschieden und unentschlossen.
Langsam komm ich hinter meinem Text hervorgekrochen.

Du fragst mich, ob ich Wünsche hab? Ich träume davon Künstlerin zu sein, endlich eine 6c, mehr Tinte unter der Haut, mehr Muskeln in den Armen, ein bisschen männlicher … bitte ein wenig ehrlicher.
Ob ich Wünsche hab?
Wenn wir ehrlich sind, weiß niemand, wie das genau geht, denn da wird ihre Stimme immer dünn, meine Damen und Herren, mein Wunsch ist: zu wissen, wer ich bin.


Maxi

Wer wir sind

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Es donnert draußen, es geht der Wind und es kratzt und beißt unter meiner Haut. Wahrscheinlich willst du das auch nicht hören, aber mit der Musik kann man nur die immer-gute-Laune stören. Ja, ich weiß, das alles wird hier ein bisschen zu heiß. Ich vergaß wie es sich anhört, wenn der Wind nicht um uns weht.
Wir stehen so nah an der Kante, auch wenn du da was and’res siehst. Ich geb’ mich ja erst zufrieden, wenn du davor kniest. Wenn ich vor dir wein’, will ich nur dass das funktioniert, dass du mit mir einen Schritt weiter gehst.
In deinem Gesicht sind zu viele Gefühle vermischt, mist, die Schminke verwischt. Langsam zeigen wir wer wir wirklich sind. Dass wir tagelang nicht abspülen und der Abfall stinkt. Ich frage mich, wer als Erstes zugibt, dass er oder sie lediglich ein Spiel spielt. Denn es ist doch eigentlich so einfach zu sagen „ich liebe dich“. Aber was bleibt davon übrig, wenn die Wohnung dreckig und das Haar ungekämmt ist?

Da grollt der Donner vor meinem Fenster, während wir die Wohnung vermessen, abends im Bett kein Auge zu, aber alle Sorgen schnell vergessen, irgendwann wird alles gut. Nur noch schnell zum Supermarkt gehen, nur schnell das für die Uni erledigen, niemals kurz hinlegen, nur setzen um was zu essen. Hab noch was vergessen … denn gleich daneben sitzt du, und du schaust mir zu. Ich klebe verzweifelt ein Wundpflaster darauf, hoffe das fällt nicht auf. Bevor man nachdenken kann, nehmen die Dinge ihren Lauf. Im Dunkeln kann ich trotzdem sehen wie du auf dem Balkon wieder einen rauchst. Ich sehe die Wolken doch auch. Sieht irgendwie bedrohlich aus. Wenn ich heute Abend unter die Bettdecke krieche, kann ich dich dann noch riechen? Oder kann das so schnell verfliegen?
Wenn ich dich wegschiebe, will ich eigentlich nur, dass du näher kommst.
In was haben wir uns da verrannt, vor dem Gewitter, Hand in Hand.
Wenn es heut Nacht wieder so stürmt, wenn du mich anschreien musst, weil ich so verdammt leise bin; Wenn ich dich im Lärm nicht wiederfinde, wenn wir die falschen Zeilen singen, zur gleichen Zeit;
M., wenn es zumindest nicht so bleibt, wie es jetzt ist, (glaubst du nicht, dass es besser wird), vielleicht finden wir dann heraus, wer wir sind.


Maxi

Zu Deborah Komma ich liebe dich Punkt

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Es sind schon irgendwie Worte, die dich beschreiben, aber die können das nicht mehr richtig zeigen. Immer wieder verschreibe ich mich, das ist hier nicht der richtige Stift, scheiß auf diesen Buchstaben, der es doch nicht richtig trifft, geh in’s Internet und gib einfach „Depression“ ein, zieh dir „XOXO“ rein, dann weißt du vielleicht was ich mein. Ja, bin immer zu mir so gemein. Aber so war’s ja nicht gemeint.
Wieso muss jeder Text den ich schreib’ schlechter als der letzte sein? Babe, das ist die artist-crisis, soweit ich das beurteil’n kann. Das hat doch Casper schon viel schöner gesagt, aber so viel hör ich mir davon nicht mehr an. Weil das schlecht für meine mentale Gesundheit ist, man.
Ich würd so gern allen sagen, die nie gefragt haben, wie es sich angefühlt hat, sie zu ertragen und wie man dann damit aufhören kann. Wiegesagt, obwohl wirklich keiner danach gefragt hat.
Ich hätte halt gern, dass Chester Bennington nicht das Gesicht einer stummen Masse ist, die schreit: Das alles endet eh mit dem Tod. Ich möchte halt irgendwie, dass das nicht nur schwarz ist, sondern lilablassblau und dunkelrot. Und bald kommt gelb und grün und blau dazu.
Ich will doch nur sagen: es gibt da eine andere Lösung. Keine Erlösung nur Entscheidung, mit der man langsam den Berg erklimmen kann. ich bin kein recovery-motivation-shit-account auf Instagram. Nur eine Lebende, die sagt: schnapp dir deine Liebste, deinen Liebsten an der Hand und dann schafft ihr das zusammen. Mit ganz viel Tränen und Schweiß bin ich auch dran vorbeigeschrammt.
Zugeklebte Wunden dann, nein nicht in der Nervenheilanstalt, man, in einer genauso weißen Klinik, wie die in deiner Stadt, mit geilen Bildern an der Wand.
Schatz, es hört sich nur in deinen Ohren so schlimm an.
Ich brauch’ da noch ne Assonanz, und das klingt eigentlich zu arrogant, bei mir hängt an jedem Text ein Zweifel mit dran; was muss ich tun, damit ich mal was aufschreibe, das man einfach so stehen lassen kann?
Ich verspreche dir, vor dem nächsten Mal ist der Füllfederhalter gespannt, Stimmung entspannt, lässig wandert er von Hand zu Hand, bei diesem Beat denke ich an Deborah (ja, Casper hat dich schon als Metonymie benutzt) zurück und setze dahinter zur Abwechslung einen Punkt.


Maxi