Ich bin vergiftet. Vergiftet von dir.

Du bist das Quecksilber in meinen Adern, der Goldregen in meinem Bauch, der Fliegenpilz in meinem Herz. Es tut mir leid, dir das zu sagen, aber gerade kann ich dich nicht mehr ertragen. Du tust mir so weh, also bitte endlich, geh. Verschwinde, verschone mich von deinem Gift.

Eine Überdosis von dir und das wars von mir.
Du hast mir zu viel von dir gegeben und jetzt bin ich verseucht, vergiftet. Dafür muss ich dich hassen und für immer verlassen.

Du warst einmal, das Blut in meinen Adern, die Schmetterlinge in meinem Bauch, der Schlüssel zu meinem Herzen, der mich endlich gefunden hat.
Warst einmal mein Ein und Alles, meine Sonne und meine Sterne, mein eigenes Ich, dein eigenes Selbst, du warst mein Wille, ich war dein Wunsch, ich habe dich erfüllt, mich von dir voll und ganz erfüllen lassen; fallen lassen, ohne wieder aufzustehen. Fallen gelassen, in ein Meer voll Musik, in eine neue Erfahrung, in einen Traum.

Wir haben zu viel geteilt, zu viel Schmerz erlitten, zu viel über sinnlose Dinge sinniert, zu viele falsche Lächeln verschenkt, zu viele Entschuldigungen erzwungen. Wollten frei sein, endlich abhauen, endlich leben, endlich mehr sein.

Ich habe dich kennengelernt, als ich an den Klippen stand und springen wollte, und habe nur deine Stimme gehört, die das verhindern sollte.
Du hast mich gesehen, als du endlich mal „Pause“ drücken wolltest, und bist mir einfach in eine andere Welt gefolgt.

Ohne Fragen, ohne was zu sagen, haben wir uns vertraut, und unser Leben versaut.

Sodass ich jetzt nur noch „Stopp“ drücken möchte und du mich aber nie lassen könntest. Du bist zu sehr mein, ich bin zu sehr dein. Bin dein Leben, deine „Play“-Taste, ohne die deine Lieder keinen Sinn mehr hätten, ohne die du nicht existieren könntest, und ich habe dich danach nicht einmal gefragt. Habe nie gefragt
Ohne Fragen, ohne was zu sagen, haben wir uns vertraut, unser Leben versaut –
Habe dich nie gefragt, warum du nicht mal gehst, mich nie verlässt, mir immer hinterherrennst. Du drückst auf „Vorspulen“, wenn ich zu schnell durchs Leben renn‘ und verpasst dafür dein eigenes.

Doch dann hast du plötzlich nichts mehr gefühlt, warst nicht mehr länger in unsere Musik gehüllt, hast alles andere verlernt, hast dich entfernt.
Und dann hast du dich gegen dich selbst wehren wollen, gegen mich selbst. Warst zu sehr in meinem Leben verankert, hast nur in meinen Träumen gelebt, nichts eigenes mehr erlebt, nie wieder so gebebt.
Hast es langsam verlernt und wolltest es wiedererlangen, doch dafür musstest du etwas anderes verlangen. Mein Leben, dein Leben, mein Traum, dein Sog, dein Strudel, aus dem du nur mit Gewalt entfliehen konntest. Also hast du mich zerstören wollen, dich wieder hören wollen, auf dich aufpassen, und mich verlassen.
Du ranntest weg, und weil wir so verbunden warn, hast du mich hinter dir her über den Boden geschleift, durch den Dreck gezogen, durch den du mir gefolgt warst.

Denn auch ich hing noch an dir, wollte wieder das gemeinsame „wir“, wollte wieder mit dir sein, wollte du sein, wollte dass du mich wolltest. Doch da war eine Veränderung, eine Planänderung in unserem Leben, eine Spontanaktion, ein plötzlicher Sprung in der Platte. Sodass ich keine Wahl mehr hatte.

Wir haben nicht gefragt nichts gesagt, vertraut und unser Leben versaut.

Jetzt stehen wir hier am Strand und haben es endlich aus dem Strudel geschafft. Haben da drin aneinandergeklebt, uns auseinandergelebt, wären ertrunken, miteinander gesunken. Ich wäre gestorben an deiner Sorge um mich, und du wärst verdorben voll Liebe für mich.
Dann hatten wir nur noch einen gemeinsamen Willen.
Wollten uns befreien, aus dieser Enge, diesem Albtraum. Wir haben zu lange ein Herz geteilt alles andere verpeilt, und jetzt ist es hier so eng und die Fesseln sind zu streng. Das hier ist jetzt zu klein für mich, zu klein für dich. Das ist nicht länger mein Traum, dein Wille.
Das ist nicht mehr unser Raum.
Einer von uns beiden muss jetzt gehen.
Ich sagte, ich will dich nicht mehr sehen.

Du sagst, du hasst mich jetzt, hast dich von mir kaputtmachen lassen und alle anderen gehen lassen und musst dich nun selbst dafür hassen.
Also gehen wir getrennte Wege, hören andere Lieder. Du gehst nach rechts und ich nach links, einer Richtung Norden, der andere nach Süden. Sodass wir uns nie wieder sehen, nie wieder den gleichen Weg gehen, uns nie wieder verstehen. Haben jetzt keine Fragen, haben uns nichts mehr zu sagen.
Uns nicht länger zu vertrauen und unser Leben endlich nicht mehr zu versauen.
Maxi

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