Kennst du den Moment, in dem alle Erinnerungen in dir hochschwappen?
Sie strömen aus deinen Augen und rinnen die Arme hinunter.
Ein unendliches Meer, tief und schwarz. Voller Geheimnisse, Erinnerungen, wieder-hochgeholten-Anstrengungen, Hemmungen, Verklemmungen.
Oder der Moment, in dem du die Kontrolle verlierst? Du dich nicht mehr spürst, dein eigenen Wagen nicht mehr selbst führst, gelenkt wirst und dich dafür hasst.
Der Moment, in dem du den Stich im Herz fühlst? Und dann die heißen Tränen auf den Wangen, wirst nicht aufgefangen, musst jetzt bangen, bangen um dein Leben und in Wirklichkeit nur um einen Freund oder eine Kleinigkeit.
Kennst du den Moment, in dem du nicht mehr willst und nicht mehr kannst, dein Leben aus deinem Hirn verbannst, und rausrennst, dich nicht mehr auskennst, dich hinlegst und einfach aufgibst?
Kennst du die Momente, in denen dir alles zu viel wird und dein Körper sich schließlich auch weigert? Du bist so ausgeleiert, überarbeitet, zermerzt und irgendwie wieder zusammengeklebt mit dem billigsten Klebstoff, der da heißt: Geduld und Hoffnung. Diese verdammte Hoffnung.

Aber kennst du es auch, wenn diese Momente alle zur gleichen Zeit stattfinden, wenn du all diese Gefühle auf einmal fühlst. Dann erst recht nichts mehr spürst und alles auf einmal.
Das nennt sich Zusammenbruch oder Einbruch, Einsturz, ein Eimer Schmutz, der herunterfällt, eine Frau die in sich zusammenfällt, im Boden einsinkt, ertrinkt, sich vertrinkt, aufsteht, weitergeht, eingeht, weitertorkelt, vielleicht Dinge sieht, halluziniert, dissoziiert, stehen bleibt, weiter steigt, im Bett liegt, nachgibt, einknickt. Das sieht dann so aus.
Einen Moment lang.

Hast mich in die Hölle gesandt. Bin in die Hölle gerannt und hab sie gesehen, nur aus Versehen.
Aus Versehen bin ich abgedriftet, habe ich den Boden verloren, bin gefallen und geflogen.
Im Bett gefallen, nach unten, ganz weit unten.
Ihr seid mit mir mit gefallen, habt meine Hand gehalten und mir gut zugeredet.
Habe mich gefragt, wie weit man denn sinken kann und keine Antwort bekommen, dann.
Die Sache ist, wenn man so ist wie ich, ist nichts unmöglich. In diesem Zustand kannst du Berge versetzen, Menschen töten, fallen und gleichzeitig still liegen, du kannst fliegen und gleichzeitig sinken, du kannst die Hölle sehen, du kannst ihr entkommen, du kannst den Himmel sehen, kannst ihm irgendwie entkommen, kannst sterben und gleichzeitig am Leben sein. Du kannst Schmerzen spüren, die du nicht kennst und die man nicht messen kann. Du kannst dich verlieren, deine Beine nicht mehr spüren. Du kannst weinen und gleichzeitig lachen. Du kannst schreien.
Du kannst dein Herz brechen hören und fühlen. Du kannst deine Erinnerungen wieder erleben, immer und immer wieder. Wirst in die alten Situationen zurückgebeamt, spürst die Stiche, die es dir immer und immer wieder versetzt, bist dem aber ausgesetzt, in dem Netz eingefangen, reingegangen, raus gekommen, an den Rand geschwommen.

Maxi

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