Ich packe meinen Koffer und nehme mit: meine Wut und meine verdammte Traurigkeit. Und dich, dich lasse ich zurück, weil ich eine verdammte Hure bin.

Schwarze Wälder ziehen vorbei, die Schwärze brennt sich in mein Auge. Ich liebe das Schwarz.
Hier fühle ich mich wohl, ganz nah beim Tod. Ich bin ihm so nah, ich will mehr von ihm, ich will, dass er an mir zerrt.
Irre, die Lichter der Disko tanzen auf meinem Körper, ich führe dich in das Schwarz des Lebens ein. Das Parkett auf dem ich tanze, ist gefährlich.
Grelle Lichter durch die Windschutzscheibe, das Lenkrad reist herum. Ein Fluch neben mir und ich erwache. Schon wieder. Wir fahren geradeaus, auf einer einsamen Landstraße, tief in den Wäldern, irgendwo in der Pampa, wir fahren schnell, zu schnell für die Polizei, zu langsam für mich.
Ich sitze neben ihm im Auto, seine Hand umschlingt meinen Oberschenkel, er lenkt mit einer Hand und sieht dabei tiefenentspannt aus. Fahr schneller, fahr nicht mehr gerade aus. Fahr mit mir in die Hölle, die Hölle mit dir ist der Himmel auf Erden.
Besitzergreifend und schön. Seine Hände sind so schön, du bist so schön. Die Schönheit ergreift Besitz von mir und macht mich zu seinem Eigentum. Ich will, dass du mich endlich mitnimmst, nimm mich mit, bring mich ihm ein bisschen näher, zeig mir den Tod von nahem, fahr weiter in das Schwarz. Fahr weiter, Arschloch.
Meine Verrücktheit liebt ihn.

„Ihr passt so gut zusammen.“
Mein Gehirn spielt mir Streiche und ich sehe das Biest in ihm, er erwidert. Seine Zähne verformen sich zu Hauern, seine Haare zu Hörnern, seine schönen Hände werden mit Klauen versehen.
Er ist so schön. Ich finde ihn so schön. Er widert mich an. Ich möchte, dass diese blutigen Lippen mich küssen und mich verwüsten. Bring mich der Verwüstung noch ein bisschen näher, wir beide – du und ich – wir haben nichts zu verlieren. Fahr weiter, mein Liebster, mach mich doch einmal glücklich, ich liebe dich. Noch einmal, mach das noch einmal, reiß das verdammte Lenkrad ein bisschen zur Seite. Ich will das Schwarz mit dir zusammen sehen. Wir haben nichts zu verlieren.
Ich sehe ihn an und muss blinzeln, seine Schönheit schüchtert mich so sehr ein, dann sehe ich wieder zum Fenster hinaus.
Die Nacht ist verrucht, schwarz, wie wir, wie er und ich.
Es hätte niemals so weit kommen dürfen, denke ich. Warum sitze ich noch bei ihm, frage ich mich. Warum mag ich seine Hand auf meinem Bein, warum will ich mehr, von dem schwarzen Er, von dem schwarzen Ich? Unsere Beziehung ist so verquer, ich will es so nicht mehr.
Dann sehe ich ihm wieder ins Gesicht und es schüchtert mich ein.
Dunkelgrüne geisterhafte Bäume fliegen vorbei, die Zeit fliegt an uns vorbei und wir fliehen. Lass uns weiterfahren, fahr weiter. Weiter nach rechts, weiter in den Baum, die Wiese, das Schwarz, das Weiß, das Extreme. Mach mich zu deinem, ich mach dich auch zu meinem. Lass es uns gemeinsam sehen.
Er erwidert meinen Blick, ein kleiner Biss auf die Lippe, ein Händedruck von seiner schönen Hand, sein Daumen bohrt sich in den Oberschenkel.
Willst du es sehen?
Ich will dein Schwarz sehen, zeig es mir!
Mein Schwarz hat mich schon im Griff, er hat mich in seinem Griff. Die roten Lippen verschmiert, die Augen schwarz, das Gesicht weiß. Wunderschön. Nur noch nicht schwarz genug.
Ich klappe den Spiegel herunter und zeichne die Lippen nach. Er streckt die Hand aus und fährt mir über den Mund. Sei still, schweig süß, du bist mein.
Der Rauch dringt tief in meine Lungen und ich inhaliere, ich will das Schwarz nie wieder loslassen. Verlass mich nie.
Und er drückt die Kippe in meiner Hand aus.

Was würden die Eltern sagen?

„Ihr passt so gut zusammen.“
Der unbefleckte Typ antwortet und winkt ab, er sei doch gar nicht so perfekt, ein Lachen mit perfekt weißen Zähnen, perfekt rasiertem Bart, perfekten Haaren. Nimmt meine Hand und wir küssen uns vor meinen Eltern, sie lächeln mich an und laden ihn ein.
„Ein tollen Jungen hast du dir da ausgesucht“
„Ja“, sage ich und lache beschämt. Wenn sie wüssten. Aber ja ich mag ihn, ich liebe es.

An dem Abend verließen wir das Haus gemeinsam in seinem Wagen, wir würden auf eine Party gehen, logen wir.
Dass es meine letzte sein sollte, verrieten wir ihnen nicht. Er ist verrückt. Aber er mag es so.
Und ich bin verrückt nach ihm.
Meine letzte Party mit ihm. Diese Einladung ist schwarz, ich bin jetzt ganz schwarz, lass mich los, Arschloch, gib mir noch ne Kippe.

Endlich küsst er mich und sieht nicht mehr auf die Straße. Im nächsten Moment landet er in einem Baum und ich auf der Straße. Ich wische mir die Lippen ab und nehme die Tasche unter meinen Arm.
Da bin ich wieder. Hallo Schwarz, das hast du gut gemacht. Nimm mich jetzt mit, ich habe nichts zu verlieren, zeig mir mein Leben.
Mein Zuhause betrete ich allein und mit einem Lächeln.

Maxi

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