Diese Veranstaltung, der Zirkus, der sich schlicht und einfach Leben nennt, ist der einzig wahre Maskenball auf dieser Welt.

Morgens geh ich aus dem Haus und setze meine Maske auf, täglicher Begleiter, ständiges Schutzschild, das ich noch nie wo anders, als vor meinem Gesicht hielt.
Und abends komm ich wieder in meiner eigenen Hölle, meinem eigenerschaffenen Himmel an und stelle fest, dass all das Lächeln, all das Grinsen, all das Verständnis in meinem Gesicht, nichts weiter ist, als ein Mechanismus, schmutzig und trist. Falsch und draufgängerisch noch obendrein, bin ich mir – eventuell, so ganz nebenbei – einfach nur zu fein? Nein.
Bin ich so arrogant, wie alle von mir es sagen. Kann ich es wagen, mein selbstzweifelndes Ich zu enthüllen, oder werden sie mich mit Hass erfüllen? Bin ich nur zu egoistisch, dass ich zum Psychiater renne und ihn dort niederzubrennen, manipulativ – repräsentativ?
Führt der Narzissmus in uns zum Selbstmord in der Gunst der Stund‘?

Mein elendiges Weinen und Schreien und Verzweifeln verlässt niemals meine Wohnung, mein kleines Schneckenhaus, das ich seit meiner Kindheit mitgetragen. Längst wurde es mir zu klein, doch ich kann nicht ohne ihm sein, ich schnüre es an meinem Rücken fest, wenn nichts mehr bleibt, als der Rest. Verbarrikadiere meine Gefühle darin, vollkommen ab von meinen Sinnen, ab von der Straße, vom Weg, wo man seine Gefühle nur in sich trägt.
Ohne Maske, ohne Schneckenhaus, leben die meisten Menschen in Saus und Braus.
Doch nach Jahren vom ewigen Herumtragen, stelle ich fest, stelle ich irgendwelche Philosophien in den Raum, stelle irgendetwas auf, Thesen oder Regeln oder mehr vom persönlichen Elend.
Aber hier in meinem Bett, stelle ich weniger fest, sondern reiße mehr ein, als dass es somit mehr werden würde, als dieser selbstmitleidiger Scheiß.

Denn die Dinge sind nämlich so (…), auch wenn ich nicht weiß wo, und überhaupt, hier im Nirgendwo, im Ungefähr, wo nehm ich meine Sorgen her?
Das Leben ist schön, die Sonne scheint, Mama liebt mich, Papa nicht; doch man kann halt nicht alles haben, pflegen sie zu sagen … mein Herz weint.
Mein Herz weint, mein Auge nicht, mein Mund schweigt, mein Körper streikt, meine Seele schreit. Doch meine Maske bleibt.
Wenn ich diesen Schritt tätigte, meine Maske abnähme, würde dann noch irgendetwas mehr von mir überbleiben, als eine Leere? Wenn all die angeblich guten Eigenschaften nach außen gekehrt sind und die Sorgen nach innen, was davon bleibt dann nach der Enthüllung übrig?
Dieses Außen ist so makellos, allein durch die Maske stellen wir uns bloß, alles was noch übrig bleibt, ist Schuld und Scham und Gier und Neid.
Du kannst mich nicht ewig drängen, kannst dich nicht immer verrenken, für mich.
Guck doch nach, wenn du dich vergewissern willst, dass mein Inneres nicht zum Zeigen ist.
Nein, ich bin keine von den Schlampen, die nur nach Komplimenten fischt, sich wahnsinnig danach sehnt, den Bogen zwischen Sehnen und Erzwingen überdehnt. Aber du, schau auf meine Fehler ganz genau, du wirst gleich sehen, ich bin in Wirklichkeit, in wirklicher Wahrheit, vollkommener Bloßheit, bei Gefühlen rau und bei Sätzen karg.
Du wirst unseren Maskenball hoffentlich auch irgendwann begreifen, vielleicht muss deine Wahrnehmung noch ein wenig reifen.
Auf die Enthüllung der Veranstalter unseres Balls warte ich nun gespannt.
Könnte all mein Hab und Gut verwetten, könnte mich vor dem Hass niemals retten.
Und doch halten wir an unserer Maske mit Fäusten und Zähnen und Krallen fest, lieben unsere Garderobe, wo wir uns für die Gesellschaft erproben. Wir lieben dieses ungeschriebene Gesetz, dass keiner bleibt und keiner lässt.
Auf meinem Maskenball gibt es nur zwei Masken, die meine und die deine, und die wirklichen Gesichter bleiben verhüllt, da sich sonst der Lebensakku nicht befüllt.

Jedoch, wo auf dem Ball ist mein Leben, wo ist meine Wahrheit, wo ist das Leid?
Gibt es auf Bällen keine Krankheit, Wahrheit, Unsicherheit, wahre Unschönheit?
Mein Leben ist ein Maskenball, auf dem jeder, nur nicht ich, sein will.
Mein Leben besteht aus Masken, aus Linien, zwischen Gut und Böse und wahr und öffentlich. Mein Leben ist die Maske, die ich aufsetze. Und dahinter befindet sich nur die lebende Hölle, mein wahres ich, eine Verrücktheit für sich, schillernde Scherben im Licht.

Maxi

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