Schwesterschmerz oder verbranntes Herz:

Als ich noch bei euch war, jetzt wird es mir klar, war alles noch ganz wahr.
Jetzt vergehen die Zeiten, die schmalen und die breiten, und ich würde mich so gerne wieder vereinen. Mir Dir, Schwesterherz, du weißt doch, dass du es bist?
Dass du es bist, die ich von dort vermiss; die ich nicht runterschmiss, die sich dann nicht urplötzlich von mir losriss.
Nein, das bist du nicht, bei Weitem bist du nur die schmale Spur, zwischen mir und ihm. Ich fahre als Schwarzfahrer auf der Hungerspur daneben; die sich immer falsch benehmen, werden es nicht überleben.
Die Väter kontaktieren ihre Töchter nicht mehr, sie werden aussortiert und ihre Herzen lang flambiert – überhitzt – ausgebrannt.
Weißt du, ich bin der verkohlte Überrest, im Kindernest.

Ich hoffe so sehr und inständig für dich, dass es dich nicht auffrisst; dass du es besser hast, indem du deinen ganzen Teller schaffst, dich aufraffst früh am Morgen, mit anpackst und alles drinnen lässt.
Doch ich hoffe auch für dich, dass du es selbst realisierst, diese Zustände, in denen du lebst, und dir es nicht wie mir ergeht. Dass du nicht aussortiert wirst, nicht ausflambiert und dann in der Ferne ein schmaler Überrest deiner selbst bleibst.
Ich bin der Rest, doch ich könnte auch eine von denen sein, die rauchen, saufen, spielen und schlafen. Ich könnte meine Freiheit überschreiten, euch vertreiben.
Aber die bin ich nicht, darum vermiss‘ ich dich.

Ich bin die, die an der Spur neben euch läuft, sich in der Hölle verläuft und nie wieder kommt. Doch das ist nicht eure Schuld, denn ich war ja die, die sich von der Spur gespielt hat. Verspiegelt gespielt hat, seine Karten gesehen hat und ihn auffliegen lassen, darum darf er mich hassen. Darum darf ich euch verlassen (?). Das Fragezeichen in Klammern steht für euch.
Meine Fragwürdigkeit gleicht einer Überschaubarkeit, ich bin eine 1A Minderheit, Herzverbrennung ohne Wundsalbe, eine Tochter, nur eine Halbe.
An Tagen wie heute reflektiere ich noch und nöcher, und frage mich, wann schließen sich endlich die Löcher? In unserem Familienhaus in Saus und Graus.
Suchen wir einen Schuldigen, den wir zum Henker bringen?

Doch dein Vater, mein Vater, er kann ja auch nichts dafür, es ist schon so lange her, er macht es für sich nicht gerade verkehrt. Er hat es nicht anders gelernt.
Ich habe für Freiheit der Meinung eine begrenzte Hölle in Kauf genommen. Ich habe Figuren aufleben lassen und euch verlassen, ich weiß.
Ich bin die, die euch weggestoßen hat und auf eine Antwort wartet. Ich bin die, die heute nicht anrufen kann, nur für eine Gratulation dann und wann.
Ich bin die, die es bedauert, mir selbst aufgelauert.
Doch auch die, die dich liebt, und dich vermisst und es wirklich versucht.

Versuchen zu vergeben ist wie sich trauen sich zu lieben.

Ich traue mich dich zu lieben, ich traute mich dir das zu sagen.
Jetzt kann ich diesen Schritt nicht mehr wagen, auch wenn er wahr ist. Wäre.
Wenn ich alles zurücknähme, könnte ich es noch einmal probieren, doch das Problem ist, dass ich das nicht will.

Was bei euch Spaß ist, sind bei mir die Tränen.
Erinnere mich viel zu oft an eure Häme, um mich zu schämen, mich zu sehnen, nach mehr Blut in den Venen, damit mein Herz mehr pumpen kann, mehr sehen kann, mehr fühlen.
Nicht nur Verwirrungen im Herzenslabyrinth, so wie sie es in meinem sind. Gibt es eine Möglichkeit, das nicht zu überspielen, sondern zu übermalen? Nicht mehr zu verschlafen, nicht auf Dich zu übertragen?
Ich sage dir, ich schlafe hier, und gehe hier und stehe hier, doch bin ich in Gedanken stets weit darüber. Von oben atmet es sich viel dünner, wird immer schlimmer. Ich versuche abzusteigen, mich einzureihen, in die Warteschlange von Familienliebe, voll Bange.
Wo stehst du in der Warteschlange, hast du es schon weiter geschafft als ich?
Wenn ich die Abkürzung finde, den VIP Bereich für Familienfleiß, ich sage dir, entschwinde ich mit dir, versprech‘ ich mir.

Doch, Schwester, ich schweife ab, das war mein finaler Satz. Den ich von meinem Hass übernahm, mit der falschen Zunge. Den ich aus meinem Herz zitierte, ohne Scham vor dir.
Ich argumentiere mit dem Ich-gewordenen Vatertyrann, und komm doch nicht näher an dich ran.

Der Satz.

Der in Kindersprache sagen will, dass ich dich nicht verlieren will und es doch unabsichtlich tue,
der zeigen will, dass ich dich liebe, doch es sieht aus, als wäre es ganz anders; der dir verdeutlichen will, es tut mir leid wie es ist, und doch ist es eine List, denn ich kann es nicht ändern.
Ich könnte es, doch würde mich damit umbringen und ein zweites Mal auferstehen, das kann ich nicht. Doch: Ich vermisse dich.

Maxi

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