[Das Aschenputtel]
Ich hatte doch schon aufgegeben, mich rauszuheben, wieder einmal rauszugehen. Hatte mich den Stärkeren erbarmt, war erstarrt, von den Lastern geplagt, von ihnen verbrannt. Am Boden gelegen, vor dem Feuer, aufgegeben, nicht gewillt aufzustehen.

[Der Schlosserbauer]
Du hast, ohne Fragen zu stellen, angefangen, etwas aufzubauen, mir aufzuhelfen, mich von den Sorgen zu befreien, die Fesseln um mich zu lösen.

Ich sitze auf dem Boden der Realitäten, dem Grund der Verrätern, dem Friedhof der Seelen. Und du baust mir ein Schloss. Nicht aus Luft, nicht mit Träumen und Wünschen eins aus echten Gefühlen.
Denn das sind endlich wieder wahre Gefühle, die wir in uns geweckt, gegenseitig entdeckt.
Das ist kein 08/15-Hipster-Ding, nicht gecheckt, voll verlenkt und über Umwege angekommen. Die Ausnahme zur Regel, dass auch Freundschaften noch gehen.
Ein Schloss mit einem Garten, in dem wir sitzen und der restlichen Welt entgehen.
Ansehen, lachen und wegsehen. Einklatschen, umarmen und weggehen.
Anschreien, grinsen und abziehen. Müssen andere nicht verstehen.

Und auch wenn ich dir die Welt kaufen wollte, ist es nicht so auch gut?
Sieh, ich zieh vor dir meinen Hut.
Ist es nicht gut, dass ich dich trösten kann und bist du nun mindestens nicht mehr so verspannt? Ich sage dir nur, es fühlt sich gut an, wenn du mir die Hände vorm Gesicht wieder wegziehst und sagst: „sie mich an!“
Vor Scham versinke ich im Boden, doch hinter deinem Lachen versteckt sich Verständnis.
Ich sage nur, ich brauche den, der mir das Brett vor dem Kopf wegnimmt und damit auf mich losgeht.
Ich sage nur, ich muss das sagen.
Wäre es wohl das schönste auf der Welt, dass du mir dein Leben anvertraust, so ist es keine Lüge, dass es mir genauso damit geht.

Das ist so ein Teamding, kein Kling-Bim mit nichts drin, sondern eher mehr ein Puzzleteil zum Herzen hin.
Ich mein es ernst, jetzt steh still, weil ich dich noch einmal sehen will.
Ich versammele meine Anteile chaotisch vor dir, doch du siehst nur das Ganze von mir. Und beginnst zu sortieren.
Ich kalibriere den Speicher, kapituliere und ich denk‘ man nennt es Liebe.
So in Fachsprache, mit psychologischen Absprachen, dass Freundschaften anstelle von Beziehungen doch noch klappen.
Ich verstehe nicht, wie das heißt, wie man das nennt, ob ich mich nicht gerade in Schlössern verrenn‘?! Aber ich weiß, was ich war und wie ich jetzt bin, und dass es jetzt so viel besser ist.
Dass ich nur ständig ‚Danke‘ sagen will, meine Seele steht seitdem ganz still.
Ich weine nie vor Glück, denn das habe ich nicht, und nie aus Dankbarkeit, und das schiebe ich jetzt auf die Einsamkeit, aber eigentlich bist du nur schuld.
Denn Tränen voll Berührung sind wie Bekennungen zur Verbindung, ohne weitere Verklemmung.
Ich habe doch alles hingeworfen – sogar mich selbst – hab dir die Sorgen vor dir auf den Boden gespuckt und gesagt: „und jetzt schluck das mal“, aber du hast nur nach oben geguckt.
Überlegt, immer die richtigen Worte gefunden, immer da gewesen und heimlich ein Heim erschaffen. Wie kannst du das nur machen?
Du baust mir einfach ein Schloss, Nägeln mit Köpfen, Ziegel aus Lehm, Wände, die halten, ein Haus, das endlich steht. Was ich mir so lange ersehnt, was eigentlich zu zweit nicht geht?
Das sind Fenster mit schusssicherem Glas, sicher vor den Waffen der anderen, den Worten und den Taten. Du machst mir aus Enttäuschungen Ziegel, formst aus meinen Tränen Lehm, versiegelst sie im neuen Haus. Nimmst meine Geschichten, all die leeren Seiten und baust ein Dach obendrauf. Mit einer Mauer so hoch damit kein Mensch darüber klettert, du weißt es besser.
Vielleicht nennt sich das Schloss die Liebe einer Freundschaft, vielleicht ist es die Verdoppelung unserer Kraft, ein Gleichgewicht der Macht, ich sagte ja:
die Lichter der Stadt.
Denn das sind die Gespräche, die ich ewig vermisst habe, die ich nicht missen möchte, konservieren oder einfrieren. Sag mir, bleibst du hier? Ich bin nämlich bei dir.
Das ist eine Freundschaft, für die das Wort nicht reicht, die jetzt bleibt, unecht scheint, aber unser kleiner Beweis.

(Tränen treffen die Tischplatte und meine Hände, die ich anstarre)

Maxi

Advertisements