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Zwischenraum –
Es hat angefangen mit dem Verlust der Zeit und dem endlosen Ticken der Uhr.
Irgendwann wurde klar, dass die Zeiger sich auch nur im Kreis drehen, dass sie nirgendwo hin gehen und dass sie rein gar nichts bedeuten. Nicht mal ob die Zeit jetzt gerade da ist, oder nicht.
Denn das hat eigentlich nie eine Rolle gespielt. Wenn sie da war, wollt ich sie nicht haben und wenn sie weg war, hab ich sie vermisst. Genau das ist der Zwischenraum, in den du dich dann einrollst mit deinem Bett als comfort zone, die du nie verlässt. Der Spalt, in dem du haust, wie eine einsame Maus, zu ängstlich der Katze zu begegnen. Manchmal lugt ihr großes Auge durch das kleine Loch in deiner Wand und dann donnert es und du schaltest alle Lichter aus und versuchst das Knarzen und die Schatten zu ignorieren.
Da, wo die Zeit nicht mehr ist, steht die Sonne meistens so, dass du im Schatten sitzt. Ja klar, das glaubst du dir auch nur noch selbst.

Leere –
Und dann kommt die Leere. Das dumpfe Surren in den Ohren und das leise Gurren der Gedanken, die auch mal einen Ton haben wollen, die auch eine Sprache oder Farbe brauchen, die man nicht nur mit dem eigenen Gehirn sehen kann. Die machen, dass du runterfällst und die Sprache dabei vergisst.
Du hättest doch auch mal was sagen können, Mensch.
Das nervöse Klicken des Kugelschreibers, das die Wartezimmer-Atmosphäre deines Lebens durchbricht und macht dass man dich leben hören kann. Die Verzweiflung, wenn’s da keine Wörter mehr gibt, die was sagen und die sich nach was anhören, das Kratzen in der Stimme und dann das unausweichliche Einatmen.
Irgendwann läuft es nur noch darauf hinaus! Das Einatmen. Das dir dann auch keiner glaubt, dass es wehtut. Wenn’s wieder in die Lungen kommt und’s dir lieber wär, wenn dich der Tod überkäm‘, aber das ist dann wieder zu anstrengend. Die glauben dir dann nicht, dass das unfreiwillig geschieht. Weil’s doch eigentlich so einfach geht!
Versuchst dich zu verschließen, aber irgendwie strömt doch wieder diese Luft hinein. Nein…

Wörter –
Deshalb verwendest du sie dann für deine Wut. Die verdammte Luft. Und schreist, brüllst, kratzt und beißt. Wie ein Tier sich sein Opfer reißt. Du bist wie ein trotziges Kind. Weil du verdammt nochmal nicht das bekommst, was du willst. Jemand hört dich und versucht dich zu beruhigen und streicht dir leicht über den Rücken; fühlt sich so schlimm an. Er stößt sich an dir und du schubst ihn weg. Jetzt willst du nicht mehr. Okay. Lässt du dein Spielzeug jetzt fallen?
Das ist dann immer schwer für die zum kapieren, aber da kannst du dich nur noch verlieren, es ist doch schon geschehen, wenn sie sich mal über dich beschweren, aber da hat es dann schon so lange begonnen. Und das ist das Schwerste; wenn du weißt, du hast den Beginn verpasst und dich dann selbst verschlampst, sie dich erst zusammennähen müssen, damit du richtig aufreißen kannst, mit Eltern, Kindern, Freunden, allen an deiner Hand. Bis die Hand zum Strang wird. Und dir Leben einflößt.
Und du dich dann selber baust.

Also wenn du mich dann fragst, ich weiß nicht, wo es begann.

Maxi

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