Wir waren im Kaufhaus und ich wusste, dass es aus sein würde. Weil du nicht gut für mich bist, weil du mich lebendig auffrisst und ich dich viel zu lang gelassen hab, dich dabei bewundert hab. Wir saßen da, starrten uns an, redeten, doch waren eigentlich zu stumm. Dann flohen sie, rannten an uns vorbei, in den Aufzug rein, runter ins Erdgeschoss und von da an ging es los. Die Truppen mit Maschinengewehren. Die Polizisten, die in ihren Bussen saßen und uns beim Massenverlieren zusahen. Und ich, die deine Hand nahm. Über die Straße, rechts von uns ein Block aus verkleideten Männern und einer mit schwarzer Weste. Ich sagte zu dir: „Hoffentlich schießt er sich selbst in die Luft.“ und als der Lärm begann, rannten wir. So weit wie’s halt ging, obwohl’s nur ein paar Meter waren. Im nächsten Tumult brach einer dir die Nase. Und ich machte mich unsichtbar. Mit den Bildern von dem fremden Schlag vor den Augen, hämmerte ich gegen das verdunkelte Fensterglas, hinter dem wieder einer der verstummten Polizisten saß. Wort, Wort, Pause; Wort, Wort, Schnaufen; Wort für Wort, mich verlaufen.

Er schließt die Tür, der Laden ist leergefegt und durcheinander gebracht. Ich rede zu ihm, aber er meint, das war alles, was er tun kann. Ich hab so Angst um dich, versuche dich vom Fenster aus zu sehen, aber ich finde dich nicht. Alle meine Gedanken, an die ich mich erinnern kann, denken, bitte verlass’ mich nicht!

Doch dann seh’ ich dich am Schaufenster vorbeistolpern, nehme allen meinen Mut zusammen und rufe deinen Namen. Und du siehst mich, gehst die Treppe rauf und für einen Moment hören der Schmerz und all der Lärm auf.
Und der eine Augenblick, in dem du mich anschaust, macht dann unser ganzes Leben aus.

Maxi

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